Familienkonflikte in Corona-Quarantäne vermeiden und lösen

Symbolbild für Familienkonflikte

Jeder von uns möchte frei sein. Frei zu tun, was einem wichtig ist, Freude macht und sinnvoll erscheint. Für viele Menschen ist die eigene Familie sehr wichtiger Quell von Freude und Sinn. Nun verbringen wir viel Zeit mit den Liebsten und sind trotzdem nicht glücklich. Warum?

Die Familie ist viel, aber nicht alles. Jeder von uns hat auch andere Leidenschaften und Bedürfnisse. Auf Berge klettern. In ferne Länder reisen. Die eigene Mannschaft anfeuern oder selbst Vereinssport betreiben. Ins Konzert, Theater oder Museum gehen. Sich mit Freunden treffen, ausgehen und feiern. Alles das geht gerade nicht. Die Folge ist das Gefühl „eingesperrt“ zu sein. Und das wiederum führt zu Stress und Streit mit denjenigen, die einem eigentlich am nächsten sind.

Gibt es Wege, in dieser Zeit der belastenden Beschränkungen Familienkonflikte zu entschärfen? Gibt es.

So vermeiden und lösen Sie Familienkonflikte in der Corona-Quarantäne

  1. Absprachen treffen: Je besser alle Beteiligten wissen, welche Aufgaben und Wünsche jeder Einzelne hat, desto besser können alle darauf Rücksicht nehmen. Daher empfiehlt sich eine regelmäßige Familiensitzung. Einmal pro Woche ist ein guter Rhythmus. Alle kommen zusammen. Dann kommt auf den Tisch, was jeder wann in den kommenden 7 Tagen tun muss (Homeoffice, Hausaufgaben, Hausarbeit etc.) und möchte (mit Freunden telefonieren, Medienkonsum, Faulenzen etc.). Außerdem legen alle gemeinsam fest, welche Zeiten zusammen (Mahlzeiten, Ausflüge, Spieleabend etc.) und welche für sich verbracht werden. Und dann entsteht aus diesen Blöcken ein Wochenplan, der dann für die jeweils nächsten 7 Tage aktualisiert werden kann. So ein gemeinsam verabschiedeter Plan erledigt schon sehr viele Diskussionen.
  2. Rollenkonflikte vermeiden: Ein Wochenplan hat auch den Vorteil, dass sich niemand zerreißen muss. Denn Multitasking klingt gut, ist aber in Wahrheit unmöglich. Man kann nur eine Sache gleichzeitig gut machen. Entweder Projektmanagerin in der Videokonferenz oder Kinderbetreuerin. Entweder Hilfslehrer für das Kind oder Koch für die Familie. Versucht man zwei Dinge gleichzeitig zu erledigen, macht man wahrscheinlich nichts davon gut und fühlt sich dazu überfordert. Also: eins nach dem anderen und nicht alles gleichzeitig.
  3. Kontakte pflegen: Menschen brauchen Gemeinschaft – auch über die Familie hinaus. Verwandte, Freunde, Nachbarn, Kollegen, Vereinsmitglieder etc. gehören ebenfalls dazu. Pflegen Sie diese „externen“ Kontakte so gut wie aktuell möglich. Wann immer das Gefühl von Isolation aufkeimt, sollten Sie telefonieren, Nachrichten tippen, skypen. Auch vermeintlich altmodische Wege haben ihren Reiz: Wie sehr sich wohl die frisch verliebte Freundin des Teenager-Sohns über einen handgeschriebenen Liebesbrief von ihm freuen würde?
  4. Sport treiben: Bewegung baut Stress ab. Bei Klein und Groß. Joggen, Rad fahren und spazieren draußen oder ein wenig Indoor-Training. Alles erlaubt, alles sinnvoll, um erstens für einige Zeit auf Abstand zu anderen Familienmitgliedern zu gehen und zweitens die anschließende Entspannung zu genießen. Und für die Fitness hat man auch gleich noch etwas getan.
  5. Aufgeschobenes nachholen: In jedem Haushalt gibt es „Liegengebliebenes“. Provisorien, die schon seit dem Einzug bestehen. Schäden, die schon ewig auf Reparatur warten. Dinge, die man schon immer mal tun wollte, aber sich bisher nicht aufraffen konnte. Jetzt ist die Zeit dafür. Rufen Sie alte Freunde und Verwandte an. Lesen Sie dicke Bücher. Verlegen Sie Kabel, verleimen Sie Schubladen, sortieren Sie Kleidung aus. Räumen Sie auf und um. Schaffen Sie etwas weg. Das ist sinnstiftend und verschafft Ihnen ein gutes Gefühl.
  6. Neues ausprobieren: Nichts ist langweiliger und frustrierender als ständige Wiederholungen. Routinen sind wichtig, sicher, aber jeder Mensch strebt auch nach persönlichem Wachstum. Neue Dinge auszuprobieren fördert das Gefühl, über sich hinauszuwachsen, reifer, stärker, besser zu werden. Worum es sich im Detail handelt, spielt gar keine so große Rolle. Kochen Sie ein aufwendiges Rezept. Schreiben Sie ein Buch. Lernen Sie zu nähen oder zu stricken. Schreinern Sie eine Pflanzkiste für den Balkon oder einen Schuppen im Garten. Allein aber auch gemeinsam mit anderen Familienmitgliedern. Aus Erfolgen lässt sich jede Menge Selbstbewusstsein und Zufriedenheit ziehen.
  7. Stress ansprechen: Was ist gerade los? Warum streiten wird? Liegt es an der Sache oder lassen wir nur unseren Frust aneinander aus? Ungeklärte Streitigkeiten sind wie Schwelbrände, die beim kleinsten Anlass wieder auflodern. Sprechen hilft. Gespräche fördern gegenseitiges Verständnis. Und Verständnis ist die Voraussetzung fürs Verzeihen und Wiedergutmachen. In normalen Zeiten und harten Fällen können Betroffene professionelle Berater wie mich mit der Moderation solcher Prozesse beauftragen. Aktuell müssen Familien diese Aussprachen allein hinbekommen.
  8. 5 gerade sein lassen: Ab und zu ist auch mal was egal. Dieser schöne Satz des Schriftstellers Max Goldt gilt in dieser Ausnahmesituation ganz besonders. Daddelt der Sohn mal länger als vereinbart? Blockiert die Tochter den halben Tag den Telefonanschluss? Lässt der Herr Gemahl die schmutzigen Socken liegen? Oder isst die Dame des Hauses des Abends 2-3 Riegel Schokolade mehr als sonst? Alles halb so schlimm. Seien Sie nachsichtig. Mit sich und mit den anderen. In Zeiten starker Anspannung ist Strenge ein schlechter Ratgeber, sofern die Abweichungen eben nicht zur Regel werden.

Wie ist es bei Ihnen? Kommt Ihre Familie mit der Situation klar? Oder gibt es Konflikte, die sich einfach nicht lösen lassen? Dann schreiben Sie mir einfach. Speziell für Betroffene in und um Düsseldorf herum bin ich als psychologische Beraterin quasi „zuständig“. Möglicherweise finden wir einen Weg, wie ich Ihnen auch per Telefon helfen kann.

Bild von hbieser auf Pixabay